Wenn die Austria Wien etwas anpackt, dann will sie es auch richtig machen. Das hat man am Donnerstagabend in Jurmala gesehen, wo die Violetten mit einem 2 zu 0 Erfolg gegen FK Liepaja den ersten Schritt Richtung Aufstieg in die dritte Qualifikationsrunde der Conference League gesetzt haben. Da können die Fans schon mal aufatmen. Denn so ein Auswärtssieg in einem fremden Land ist mehr wert als nur drei Punkte – gerade in Europa.
Pfad nach oben mit Wustinger und Wels
Der 23-jährige Florian Wustinger ist so ein Typ, der mir persönlich immer auffällt. Nach drei Kreuzbandrissen zurückzukommen und dann gleich so ein sehenswertes Tor zu erzielen, das zeugt von Charakter und Klasse. Ein junger Eigenbau, der sich nicht unterkriegen lässt – das ist genau das Salz in der Suppe für die Austria. Und dann Moritz Wels, frisch zurück von der WSG Tirol, der in der 55. Minute nach einer präzisen Kopfballvorlage von Johannes Eggestein eiskalt nachgelegt hat. Solche Momente bringen nicht nur das eigene Team nach vorne, sondern setzen auch wichtige mentale Akzente.
Manfred Fischer als Kapitän hat das Ganze dann zusammengehalten, auch wenn er einräumt, dass die Mannschaft in der ersten Halbzeit noch nicht alle Lösungen gefunden hat. Gegen einen läuferisch engagierten Gegner wie Liepaja darf man sich das auch nicht erlauben. Da wird man schon mal überrascht, wenn der Gegner Mann für Mann angelaufen wird. Aber, liebe Leser, das ist genau das, was Europa ausmacht: Anpassungsfähigkeit und Geduld. Und die Austria hat beides bewiesen.
Ein Spiel auf rutschigem Geläuf und der Wert einer soliden Leistung
Jetzt ein kurzer Ausflug zu einem ungewöhnlichen Detail, das mir sofort aufgefallen ist: Das Match fand nicht in Liepaja statt, sondern im rund 200 Kilometer entfernten Jurmala. Der Grund? Das Stadion von Liepaja war wegen eines Rockkonzerts völlig zerstört. Das hat natürlich die Bedingungen nicht gerade leichter gemacht. Ein regennasser Rasen, ein Ausweichstadion und trotzdem hat die Austria diese Herausforderung angenommen. Hut ab. Man merkt, wie wichtig diese Begegnung für die Wiener ist, wenn sie sich unter solchen Widrigkeiten nichts nehmen lassen.
Die Defensive hat dabei längst nicht alles zugelassen, was man kritisieren könnte. Ein bisschen mehr Sicherheit wäre wünschenswert, vor allem in den letzten zehn Minuten. Aber die Chancen, das Spiel höher zu entscheiden, waren durchaus da. Julian Hettwer, der eingewechselte Neuzugang, hat sich beispielsweise an einer guten Möglichkeit versucht, aber anstatt die freie Bahn für Matteo Schablas zu nutzen, hat er selbst geblockt. Solche kleinen Dinge kann man noch feilen. Aber insgesamt war das eine solide Leistung von Helm und Co., die Lust auf mehr macht.
Für alle, die jetzt schon ihre Pläne für die Conference League schmieden: Im Rückspiel, das nächste Woche Donnerstag live auf ORF1 läuft, geht es um alles. Dem Sieger winkt die dritte Qualifikationsrunde, wo ein Kracher auf die Austria wartet – entweder der zypriotische Vertreter AEK Larnaka oder Beitar Jerusalem aus Israel. Und denkt dran, liebe Leser, für den Einzug in die Ligaphase wartet noch die berüchtigte Play-off-Runde, die man nicht unterschätzen darf. Also heißt es weiter konzentrieren und den Fokus nicht verlieren.
Ich erinnere mich an eine meiner Lieblingsaussagen von Herbert Prohaska, der einmal meinte, man müsse in Europa nicht nur Fußball spielen, sondern auch „Kopf bewahren, wenn der Wind von vorne bläst“. Das hat die Austria heute gut gemacht, vor allem unter den schwierigen Bedingungen. Und das macht Hoffnung. Wer das genau verfolgt, weiß, dass solche Spiele oft die Schlüsselstellen einer Saison sind.
Wer Lust hat, sich einen breiteren Überblick über die österreichische Fußballlandschaft zu verschaffen, dem empfehle ich einen Blick auf die Wiener Austria Saisonstart und auch die jüngsten Entwicklungen bei Robert Ljubicic beim LASK. Es tut sich einiges in der heimischen Liga, und das wirkt sich auch international aus.
Am Ende bleibt die klare Message: Wer aufsteigen will, muss auch mal unangenehme Auswärtsspiele gewinnen, und die Austria hat genau das gemacht. Ein wichtiger Sieg auf einem schmierigem Rasen, der Lust auf mehr macht. Wer in den nächsten Wochen auf die Austria setzt, sollte aber nicht nur auf Glück hoffen, sondern mit Köpfchen auf die weiteren Spiele schauen und den Bankroll gut managen. Denn Europa kann kalt sein, aber wer clever ist, setzt sich durch.
Nach Angaben von sport.ORF.at.
Foto: Fancy Crave / Unsplash






