Wolfgang Ambros hat Wien am Wochenende mit seinem Unplugged-Programm Pur im Theater im Park im Sturm erobert. 3.200 Besucher erlebten zwei ausverkaufte Shows, doch die Stimmung wurde von einer ungewöhnlichen Warnung begleitet. Ambros bat sein Publikum, die Lautstärke im Zaum zu halten, weil ein pensioniertes Diplomatenpaar in der Nachbarschaft bei zu viel Krach sofort die Polizei ruft. Laut Berichten von oe24 kam es deswegen tatsächlich zu einem Polizei-Alarm, der die Veranstaltung zu unterbrechen drohte. Ein Szenario, das man bei einem Austropop-Konzert nicht unbedingt erwartet, aber eben auch zeigt, wie lebendig und leidenschaftlich Ambros‘ Musik ist.
Ambros und sein Programm Pur mit alten und neuen Hits
Wolfgang Ambros präsentierte ein Programm voller Klassiker und Raritäten, die er mit seinen langjährigen Begleitern Günter Dzikowski und Roland Vogl in einem Dreiklang zum Leben erweckte. Von “Des Sängers Flucht” bis zum legendären “Schifoan” reichte die Setlist, die mit Hits wie “Schaffnerlos”, “Espresso” und “Inselwitz” auch lange nicht gespielte Stücke enthielt. Ambros selbst nennt seine Lieder liebevoll “alte, ganz alte und ur-ur-alte Lieder” und zeigt damit seine Verbundenheit mit der österreichischen Musikgeschichte. Besonders bemerkenswert war auch die Mundart-Version von Monty Pythons “Always Look on the Bright Side of Life” als neue Single “Die Sunnseitn vom Lebn”. Trotz der akustischen Unplugged-Variante bewies Ambros stimmliche Höchstform und sorgte mit Gitarre und viel Charisma für ein mitreißendes Erlebnis.
Die Stimmung im Saal war ausgelassen, das Publikum textsicher und enthusiastisch, was Ambros mehrfach zu humorvollen Kommentaren über die Lautstärke veranlasste. Die Warnung vor der Polizei wirkte dabei fast wie ein Running Gag, der die Spannung eher steigerte als dämpfte. Gerade bei Hymnen wie “Du verstehst mi ned” oder “Zwickts Mi” wurde lautstark mitgesungen, bis die Zugaben mit “Da Hofa”, “Blume aus dem Gemeindebau” und dem “Zentralfriedhof” endgültig das Publikum zum Kochen brachten. Das abschließende “Schifoan” als großes Finale durfte natürlich nicht fehlen.
Was der Polizei-Alarm für die Wiener Musikszene bedeutet
Dass ein Konzert von Wolfgang Ambros wegen Polizeieinsatzes beinahe abgebrochen wird, ist ein ungewöhnliches Zeichen für die aktuelle Wiener Musikszene. Es zeigt, wie sehr Live-Musik und Nachbarschaft manchmal aneinandergeraten können. Die Stadt erlebt gerade eine Renaissance der Pop- und Austropop-Szene, mit Festivals wie dem Popfest Wien, das frischen Sound und vielseitige Bühnenwelten mitten in die Stadt bringt. Gleichzeitig wächst aber auch der Anspruch an Veranstalter, Rücksicht auf die Anrainer zu nehmen, was nicht immer einfach ist.
Ambros als Urgestein des Austropop zeigt mit seiner Tournee, dass man auch mit einem Programm voller Tradition und Herzblut ein breites Publikum begeistern kann. Seine Ankündigung, 2027 mit einer Jubiläumsserie zum 75. Geburtstag nachzulegen, ist ein weiteres Zeichen seiner ungebrochenen Vitalität. Die Verleihung des Titels Professor durch Bundespräsident Alexander Van der Bellen unterstreicht die kulturelle Bedeutung Ambros‘ in Österreich.
Für die Wiener Musikszene ist der Polizei-Alarm ein Weckruf. Er erinnert daran, dass Kultur und Lebensqualität in der Stadt Hand in Hand gehen müssen. Gleichzeitig beweist Ambros, dass echte Musiklegenden auch in Zeiten von Streaming und Digitalisierung live noch immer eine magische Anziehungskraft besitzen.
Fazit: Wolfgang Ambros hat mit seinem Pur-Programm bewiesen, dass Austropop lebendig und kraftvoll bleibt, auch wenn die Polizei mal kurz den Taktstock schwingt. Für Wien und Österreich bleibt er ein unverzichtbarer musikalischer Botschafter, der Tradition und Innovation mit Charme und Witz verbindet.
Foto: Joakim Kingstrom / Unsplash




