Welcher Vollidiot parkt schon wieder auf einem Behindertenparkplatz? Diese Frage hallt durch den chaotischen Start der Sozialarbeiterinnen Polly und Mona, die mit ihrer Truppe von Menschen mit Beeinträchtigung in die Berge fahren wollen. Doch bevor der Bus losrollt, müssen sie allerlei Hürden meistern: Ein Verkleidungskünstler wechselt von Kleopatra zu Supergirl, ein anderer bringt unerlaubt zig Koffer mit, und mitten auf der Straße wird Fußball gespielt. Als ob das nicht genug wäre, fehlt noch ein Kurzurlauber, der verspätete Alex, der mit seinem Vater Karlo gerade einen Juwelier ausgeraubt hat. Das abgeschleppte Auto des Parkplatzsünders wird zum Fluchtwagen des Gaunerduos. Nun sitzen sie plötzlich im Bus der Betreuerinnen fest und können nicht entkommen, weil die Polizei ringsum patrouilliert.
Diese turbulente Geschichte erzählt Das gewisse Etwas, das Remake des französischen Kinoerfolgs „Un p’tit truc en plus“. Nach Angaben von tv-media.at wurde der französische Film vor zwei Jahren ein Hit mit über zehn Millionen Zuschauern. Die Rechte gingen in mehrere Länder, unter anderem nach Spanien und Deutschland. Das deutsche Remake von Regisseur und Hauptdarsteller Victor Artus Solaro kopiert Szenen fast 1:1, was die Frage aufwirft, ob der Originalmacher strenge Vorgaben für seine Werke macht. In Österreich, wo das Original kaum bekannt ist, könnte der Film dennoch auf Interesse stoßen.
Von Frankreich bis Österreich eine Geschichte über Mut und Menschlichkeit
Es ist bemerkenswert, wie nah das Remake am französischen Vorbild bleibt. Man könnte fast meinen, es sei ein Duplikat. Doch die deutsche Version lebt durch ihre Darsteller. Max von der Groeben, bekannt aus der „Fack ju Göhte“-Reihe, überzeugt als charmanter Gauner, der trotz krimineller Energie sympathisch bleibt. Mala Emde und Jasmin Schwiers geben zwei engagierte Betreuerinnen, die ihre chaotische Truppe mit viel Herz zusammenhalten. Florian Lukas spielt den grantelnden Vater, der mit der Welt der Beeinträchtigten nichts anfangen kann, aber im Verlauf der Geschichte eine überraschende Entwicklung durchmacht.
Die Schauspieler mit Beeinträchtigungen sind hervorragend gecastet und spielen mit ansteckender Begeisterung. Das verleiht dem Film eine Authentizität, die man selten so spürt. Man spürt die emotionale Tiefe, wenn von der Groeben in Interviews über die Dreharbeiten spricht. Allerdings gibt es auch Kritikpunkte: Die Liebesgeschichte zwischen Alex und Polly wirkt etwas konstruiert und der Ausgang ist schwer nachvollziehbar. Zudem fehlt dem Film das gewisse Risiko, Neues zu wagen, da er sich sehr eng an das Original hält.
Was dieser Film für das österreichische Publikum bedeutet
In Österreich sind Filme mit authentischer Darstellung von Menschen mit Beeinträchtigung rar. Das gewisse Etwas bietet hier eine willkommene Abwechslung, die nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt. Die Mischung aus Humor und warmherziger Darstellung macht den Film zu einem Stück Kino mit sozialem Mehrwert. Die Geschichte zeigt, dass es im Leben nicht nur um Perfektion geht, sondern um das Miteinander und das Akzeptieren von Anderssein.
Für das heimische Publikum ist der Film eine Gelegenheit, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen, das oft zu kurz kommt. Die österreichische Kinolandschaft könnte von solchen Produktionen profitieren, die gesellschaftliche Themen mit Leichtigkeit und Empathie verbinden. Wer sich für authentische Geschichten interessiert, findet hier eine gelungene Mischung aus Comedy und Drama, die das Herz berührt.
Interessierte sollten auch einen Blick auf New Voices werfen, die frischen Wind für das junge österreichische Kino bringen und ähnliche Themen mit viel Feingefühl behandeln.
Fazit: Das gewisse Etwas ist ein warmherziger Film, der trotz einiger Schwächen überzeugt. Für alle, die gerne lachen und sich gleichzeitig berühren lassen, ist er eine klare Empfehlung. Die Frage, warum man ein Remake fast 1:1 übernimmt, bleibt spannend, aber am Ende zählt das Ergebnis. Und das kann sich sehen lassen.
Foto: LexScope / Unsplash




