Als ehemaliger Buchmacher habe ich gelernt, die Geschichte hinter den Zahlen zu lesen. Und was Südtirols Bergwelt betrifft, so sind es nicht nur die Dolomiten selbst, die beeindrucken. Nein, es sind die sagenhaften Legenden, die hier in den Felswänden und Tälern wohnen und der Natur eine ganz besondere Dimension geben.
Wenn ich mir die mystischen Erzählungen vom Reich der Fanes oder König Laurins Rosengarten anschaue, dann merke ich schnell: Diese Geschichten sind weit mehr als nur Touristenmagnet. Sie sind kulturelles Kapital, das sich über Jahrhunderte vererbt hat und nicht nur Kinderaugen zum Leuchten bringt. Schon der Wiener Journalist Rudolf Tauscher wusste: Die Berge leben von ihren Geschichten. Und Südtirol zeigt das eindrucksvoll.
Was mich besonders fasziniert, ist wie hier die Grenzen zwischen Mythos und Geschichte fließend sind. Die ‚Stoanernen Mandln‘ – jene rätselhaften Dolomitfelsen, die Menschenfiguren ähneln – wirken auf den ersten Blick wie steinerne Wächter einer anderen Welt. Aber warum sollten wir nicht offen sein für einen Hauch Magie in unserer rationalen Welt? Gerade in Zeiten, wo digitale Erlebnisse dominieren, tut es gut, wenn man einmal in eine sagaumwobene Landschaft eintaucht und spürt, dass Natur und Fantasie Hand in Hand gehen.
Ich denke auch an unsere eigenen Traditionen hierzulande. So wie Pilgern in Österreich mit neuen Portalen wieder sichtbarer wird, erlebt auch die Erzählkunst eine Art Renaissance. Südtirols Bergsagen sind ein hervorragendes Beispiel, wie man Regionalität und Identität lebendig hält – und dabei sogar die Reiselust weckt. Da kann man sich ruhig fragen, ob nicht jede Wanderung auch eine Zeitreise durch alte Geschichten sein sollte.
Medienberichten zufolge gelingt es der ORF-Sendung Erlebnis Österreich besonders gut, diese spannenden Facetten abzubilden und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Für uns als leidenschaftliche Kommentatoren und Kulturinteressierte ist das ein Gewinn. Denn Geschichten sind der eigentliche Schatz – und das gilt auch für die Berge, die uns umgeben.
Mein Tipp an alle, die Südtirol besuchen oder über Ausflüge in alpine Regionen nachdenken: Nehmt euch Zeit, um die Sagen zu entdecken. Nicht nur mit den Augen, sondern mit dem Herzen. Denn wer die Geschichten kennt, gewinnt eine ganz neue Perspektive auf die Natur und ihre geheimnisvollen Kräfte.
Und falls ihr dann auch Lust bekommt, mehr über österreichische Traditionen zu erfahren oder wie man alte Werte mit neuen Technologien verknüpft, schaut euch unbedingt das Portal zum Pilgern in Österreich an. Da zeigt sich, wie lebendig unsere Kultur tatsächlich ist.
Am Ende ist es wie beim Wettkampf: Wer seine Chancen klug nutzt und die richtigen Geschichten erzählt, gewinnt. Südtirol macht das mit Bravour.
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